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Konventionelles und biologisches Saatgut soll auch weiterhin frei bleiben von gentechnisch veränderten Organismen. Gentechnik darf Landwirten und Verbrauchern nicht aufgezwungen werden. Über 200.000 Bürgerinnen und Bürger und rund 300 Organisationen mit mehr als 25 Millionen Mitgliedern in ganz Europa fordern ein Reinheitsgebot für Saatgut.
Der Stand der Dinge
Die Europäische Kommission plant die Einführung von Grenzwerten für die "zufällige oder technisch unvermeidbare" Verunreinigung von herkömmlichem Saatgut mit gentechnisch veränderten Sorten. Eine Richtlinie, die bis zu 0,3 % GVO in Saatgut von Mais und Raps ohne Kennzeichnung vorsah, sollte im September 2004 verabschiedet werden. Doch nach heftigen Protesten zog die Kommission in letzter Minute den Vorschlag zurück und überläßt das Problem nun den neuen EU-Kommissaren. Der seit Ende 2004 zuständige Kommissar für Umwelt, Stavros Dimas, hat seither keinen neuen Vorschlag vorgelegt und selbst öffentlich bezweifelt, daß Grenzwerte sinnvoll und erforderlich sind. Offiziell hält die EU Kommission jedoch daran fest, daß ein Vorschlag zur Festlegung von Grenzwerten erarbeitet wird.
News und Action
Das Europäische Parlament wählt eine neue Kommission

Am 19 Januar endeten die gut dreistündigen öffentlichen Anhörungen der designierten EU-Kommissare. Ein Woche lang hatte das zukünftige EU-Top-Management im Europäischen Parlament Rede und Antwort gestanden. Eigentlich sollte diese öffentliche Einvernahme der 27 künftigen Kommissare ein Highlight demokritscher Entscheidungsfindung sein. Tatsächlich kommt es anders. Drei Stunden muss sich jede Kandidatin, jeder Kandidat fragen lassen, was er in dem Ressort, das Barroso ihm zugeteilt hat, künftig tun will. Manche Kandidaten sind überzeugend kompetent, doch die meisten sondern nur jene leeren Phrasen ab, die eine tatsächliche thematische Festlegung praktisch unmöglich machen. Für diese inhaltliche Feigheit gibt es Gründe. Denn ein einzelner Kommissar hat nicht viel zu sagen, womöglich kann der Neu-Kommissar das, was er im Parlament verspricht, später gar nicht halten, selbst wenn er will. Die Kommission insgesamt als Gremium entscheidet und sie tut dies meistens so, wie es Präsident Barroso vorab mit wichtigen Mitgliedsländern besprochen hat.
Anhörung von John Dalli (Europäische Gesundheits- und Verbraucherpolitik), 14, Januar 2010
Anhörung von Dacian Ciolos (Landwirtschaft und ländliche Entwicklung), 15, Januar 2010
Anhörung von Máire Geoghegan-Quinn (Forschung, Innovation, Wissenschaft), 13, Januar 2010
Trotz Verbots Anbau von MON-810 geplant

Offensichtlich plant Sachsen auch in diesem Jahr, trotz des seit April 2009 bestehenden Verbots, den Anbau der gentechnisch veränderten Maissorte MON 810. Im bundesweiten Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wurden jetzt sechs Felder angemeldet, die insgesamt eine Fläche von 135 Hektar umfassen. „Allen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Bedenken zum Trotz planen einzelne Landwirtschaftsbetriebe trotz des Anbauverbots, wieder gentechnisch veränderten Mais anzubauen“. sagt dazu Jens Heinze vom Aktionsbündnis für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Sachsen. Auch in Bayern soll der gentechnisch veränderte Mais MON 810 auf insgesamt 21 Hektar wachsen. Der Anbau von MON810 wurde 2009 verboten, weil neue Studien darauf hindeuten, dass der im Gentechnik-Mais produzierte Giftstoff nicht nur gegen den Schädling wirkt, sondern auch eine negative Wirkung für weitere Insekten besitzt. Außerdem sei nach aktuellen Studien davon auszugehen, dass sich die MON 810-Pollen deutlich weiter verbreiten können, als dies bisher angenommen wurde, so die damalige Begründung der Richter.
Die Wütende-Meerjungfrau geht an Monsanto
Der Preis wurde ins Leben gerufen um Unternehmensgruppen und Konzerne, die besonders größe Leistung erbracht haben um die Klimagespräche und andere Klimamaßnahmen zu sabotieren, hervorzuheben. Benannt ist der „Ehrenpreis“ nach der Kopenhagener Meerjungfrau. Der Meerjungfrauen-Preisträger wird durch eine öffentliche Wahl entschieden. Hinter Monsanto belegten Royal Dutch Shell und das Amerikanische Öl-Istitut die Plätze zwei und drei. Die Negativauszeichnung war mit einer deutlichen Stimmenmehrheit an Monsanto verliehen worden. Der Gentechnik-Lobbyist hatte in der Vergangeheit immer wieder versucht insbesondere die "Grüne Gentechnik" als Lösung für den Welthunger anzupreisen und mit enormen Investitionen in den Biospritsektor, unter dem Deckmantel dem Klimawandel entgegenwirken zu wollen, zur Abholzung von Regenwaldgebieten beigetragen. “Wir hoffen, dass wir die zerstörerischen Lobbybemühungen im Bereich des Klimawandels durch diesen Preis transparenter machen können,” sagt Nina Holland von Corporate Europe Observatory die den Preis zusammen mit anderen Nichtregierungsorganisation im Rahmen der Kopenhagenen Klimakonferenz verliehen hatten.
Angry Mermaid Award: Monsanto wins award for worst corporate climate lobbyist in Copenhangen
Planet Inteview: Interview mit Marie-Monique Robin, Monsanto auf der Spur
Indische Revolution

Indien ist der zweitgrößte Baumwollproduzent weltweit. Für den konventionellen Baumwollanbau jedoch ist nach wie vor ein hoher Einsatz von Pflanzenschutzmitteln notwendig um die Ernte rentabel zu halten. Nicht nur die Umwelt leidet unter dieser Situation auch die Bauern selbst werden häufig Opfer des Systems. Meist müssen Sie Kredite aufnehmen, um teure Pflanzenschutzmittel, Dünger und Saaten bezahlen zu können. Fällt die Ernte trotz des „rundum“ Schutzes aufgund von resistenten Pflanzenschädlingen oder Dürren aus, bleiben die Bauern meist auf ihren Schulden sitzen. Viele begehen anschleißend aus Verzweiflung Selbstmord indem sie das Herbizid trinken, dass gegen die Schädlinge wirkungslos war. Immer mehr Landwirte wollen diesen Teufelkreis inzwischen verlassen und setzen daher auf die Produktion von ökologischer Baumwolle. 2004 gründete die niederländische Organisation Solidaridad das Projekt Chetna es unterstützt die Bauern bei der Produktion von Biobaumwolle, inzwischen sind viele indische Landwirte umgestiegen. Seit 2004 schlossen sich mehr als 5.500 Bauern der Chetna Organic Organisation an. Die Bilanz des Projektes fasst die Inderin Bojju Bai zusammen die bereits vor 4 Jahren mit der ökologischen Baumwollproduktion begann: „Früher habe ich mir Geld von einem privaten Mittelsmann geliehen, 10.000 Rupien pro Saion, wenn ich den Kredit und die Zinsen zurückgezahlt hatte, blieb mir nichts mehr. Heute mache ich Gewinn.”
Euronews: Die Biobaumwolle Revolution
Gentechnik ohne Nutzen

Für die Ernährungssicherung in Entwicklungs- und Schwellenländer spielt der Anbau von gentechnisch veränderten Saatgutsorten kaum eine Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB). Der Bericht kam zu dem Schluss das es sich bei den derzeit in den Entwicklungsländern angebauten Gentechnik-Pflanzen hauptsächlich um sogenannte „Cash Crops“ wie Baumwolle und Soja handelt die ausschließlich für den Export hergestellt werden. Nahrungsmittel hingegen kämen kaum zum Anbau. Gegen den direkten Hunger in den Entwicklungsländern helfen die angebauten Getechnik-Pflanzen, entgegen allen Versprechen der Gentechnik-Lobby, demnach bisher nicht. Das Spektrum der Pflanzenarten, Sorten und Eigenschaften sei bislang sehr begrenzt. Auch nach über 20 Jahren Forschung und zwölf Jahren Anbau gebe es kaum entwicklungsländerspezifische transgene Sorten ,schreibt das TAB.
Berlin-Nachrichten: Nutzen transgenen Saatguts in Entwicklungsländern scheint begrenzt
Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag: Transgenes Saatgut in Entwicklungsländern - Erfahrungen, Herausforderungen, Perspektiven
Das Saatgutmonopol

Die Anzahl der Patentanmeldungen im Bereich der konventionellen Züchtung steigt stetig an:
2008 machten diese Anträge bereits 25 % aller Patentanträge auf Saatgut und Pflanzen aus, während sie zwischen 2000 - 2002 noch unter 5 % lagen. Inzwischen haben die Global Player Monsanto, Syngenta und DuPont die Vorteile der Patentierung auch ohne Gentechnik entdeckt. Um dieses Ziel zu erreichen, werden vermehrt bereits existerende Methoden der konventionellen Züchtung, wie die markergestützte Selektion und der genetischer Fingerabdruck, für die Konzerne zur „erfinderischen“ Grundlage um die Anmeldung von Patenten voranzutreiben. Meist ist bei diesen Methoden der technische Beitrag jedoch so gering, dass er kaum als Innovation angesehen werden kann. Trotzdem versuchen die großen Saatgutkonzerne diese geringfügigen technischen Hilfsmittel für eine Patentanmeldung zu nutzen- und haben Erfolg- inzwischen wurden im Bereich der konventionellen Züchtung mehr als 70 Patente erteilt. Bisher betrafen derartige Patente vorwiegend gentechnisch verändertes Saatgut, das in wenigen Regionen Europas angebaut wurde. Nach wie vor bietet die Gentechnik für die Industrie eine hervorragende Möglichkeit über Eigentumsrechte und Monopolisierung Kontrolle auf den Saatgutmarkt auszuüben. Angesichts des neuen Trends, hin zu konventionellen Züchtungen, wollen die Konzerne die Vorteile von Patenten auf Saatgut und Pflanzen nun auch ohne Gentechnik nutzen. Mit der Ausweitung der Patentansprüche auf konventionelles Saatgut werden Landwirte, auch in Europa, zukünftig einem völlig neuen Saatgutmonopol gegenüber stehen. Eine mögliche Änderung des Saatgutverkehrsgesetzes könnte die Eigentumsrechte der Saatgutkonzerne weiter stärken. Denn nach ihrem Willen sollen Sorten zukünftig durch genetische Marker identifizierbar und somit jederzeit und überall nachweisbar sein. Darüber hinaus würden durch die Einführung derartiger Marker potentiell alle Sorten patentierbar.
Greenpeace, Oktober 2008
Patents on Hunger ?
No Patents on Seeds, April 2009
Saatgut und Lebensmittel.
Zunehmende Monopolisierung durch Patente und Marktkonzentration
ETC Group, action group on erosion, technology and concentration, Nov. 2008
Who owns nature?
Erklärung von Bern, Swissaid.
Wer hat die Maus erfunden?
Europäisches Patentübereinkommen, April 2006.







